GER: Der Spracherwerb

05/03/2022

Was ist Sprache? In diesem Beitrag geht es darum, welche Voraussetzungen für einen erfolgreichen Spracherwerb geschaffen werden sollten und welche tiefere Bedeutung Sprache hat. Für viele Wissenschaftler ist Sprache das höchste Gut des Menschen. Doch was macht Sprache eigentlich aus? Diese Frage lässt sich nicht leicht beantworten, denn beim Erlernen einer Sprache geht es nicht nur um Grammatik, Interpunktion und Vokabeln. Der Trend, dem auch viele Schulbücher folgen, Landeskunde als eigenständigen Themenblock zu integrieren, hat sich stets bewährt. Denn – und das aus gutem Grund – "Sprache ist Kultur" 

Wer eine Sprache lernt, taucht nicht nur in die Struktur der Worte ein, sondern lernt auch das Weltbild und die Denkweise einer neuen Kultur kennen. Das ist oftmals schon bei der Aneignung gebräuchlicher Floskeln und Redewendungen der Fall. In diesem Zusammenhang möchte ich auch persönliche Erfahrungen einfließen lassen. Schon früh war ich von fremden Sprachen und Kulturen fasziniert. Im Laufe der Zeit wurde mir immer deutlicher, wie bedeutend die Rolle des Lehrers für den Spracherwerb ist. Ich erinnere mich an meine Schulzeit: Da gab es einen leidenschaftlichen Manchester-United-Fan, eine Amerika-Liebhaberin und einen abenteuerlustigen Entdecker mit seinem Didgeridoo – allesamt Lehrer, die nicht nur Wissen vermittelten, sondern die Sprache lebendig machten. Ihre Begeisterung war ansteckend und hat mir die Vielfalt der englischen Sprache nahegebracht. Denn die Begeisterung und zugleich der Unterrichtsstil der Lehrkraft spielen eine entscheidende Rolle, besonders in jungen Jahren. Ein motivierter Lehrer, der mit Leidenschaft über sein Fach spricht, kann das Interesse der Lernenden wecken und die Sprache auf eine Weise vermitteln, die weit über reine Grammatik hinausgeht. Sprache ist eben nicht nur ein Werkzeug, sondern ein beträchtlicher Teil der Kulturwissenschaft.

Entscheidend ist hierbei vor allem der Versuch, den Kontakt mit dem Gegenüber möglichst lange aufrechtzuerhalten, um echte Fortschritte zu erzielen. Fehler sind dabei unvermeidlich, aber wie das bekannte Sprichwort sagt: "Übung macht den Meister". Es braucht Jahre, vielleicht sogar ein halbes Leben, um eine Sprache in ihrer ganzen Tiefe fehlerfrei zu beherrschen. Jeder, der beruflich mit Sprache arbeitet – sei es als Dolmetscher, Übersetzer oder Lehrer – hat diesen langen, oft mühsamen Lernprozess durchlaufen. Nur so können sie die Feinheiten der Sprache verstehen und die Prinzipien des Übersetzens meistern. Es ist auch wichtig, sich nicht nur an standardisierten Maßstäben zu orientieren, sondern die Sprache mit persönlichen, relevanten Themen zu koppeln. Diese Verbindung geschieht jedoch viel zu selten im Unterricht. Eine direkte, auditive Auseinandersetzung mit der Sprache ist unabdingbar. Dabei geht es nicht nur darum, eine klare Struktur und einen roten Faden zu haben, sondern auch um einen kulturellen Austausch. Nehmen wir als Beispiel die englische Kultur und stellen wir sie der französischen gegenüber: Fasziniert mich das französische "L'art de vivre" oder das englische "Keep calm and carry on"? Es ist die Möglichkeit, die Sprache der entsprechenden Kultur zu erlernen, ohne von Grammatik oder theoretischem Überfluss verschreckt zu werden. Wenn man sich vorwiegend für die Kultur interessiert, fällt das Erlernen der Sprache viel leichter. Denn ohne den Zugang zu relevanten kulturellen Aspekten, wie etwa dem berühmten "Savoir-vivre" der Franzosen, würde sich wahrscheinlich niemand für die französische Sprache interessieren. Letztlich gibt es immer einen Grund, eine Sprache zu lernen – sei es beruflich, für den Urlaub oder auch aus schulischen oder persönlichen Gründen. Positiv ist, dass der kulturelle Aspekt beim Sprachenlernen immer mehr an Bedeutung gewinnt und so das Interesse der Lernenden weckt. In unserer heutigen, schnelllebigen Gesellschaft, die immer mehr auf sprachliche Präzision Wert legt, ist es erfrischend zu sehen, dass der kulturelle Austausch und die Freude an der Sprache mehr Bedeutung erlangen. Als vagen Ausblick könnte man meinen, dass das "Laissez-faire" in der Fremdsprachenvermittlung einen höheren Stellenwert haben sollte, als es bisher der Fall ist. Vielleicht würde es sogar an die Zeiten erinnern, in denen der Sprachlerner nicht nur ein Sprachlerner war, sondern ein leidenschaftlicher Genießer.