Smartphones, negativ?

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Ständig und überall vernetzt – das Schreckensbild der Matrixwelt oder noch schlimmer: Big Brother 1984 ist wahr geworden.
Nicht mehr zu stoppen! Jeder Technikshop hat sie, jedes Kind liebt sie, und in jeder Hosentasche liegt sie … die digitale Nomandie! Klingt alles sehr tragisch, und es macht nicht nur den Anschein, dass es so ist, denn es ist Tatsache. Die Handys haben die Welt erobert – eine bittere Wahrheit, der wir Menschen uns stellen müssen. Nichts geht mehr ohne Online-Banking, digitaler Ausweis, Corona-Pass, Bewerbungen oder persönliche Dateien. Wer das Handy verliert, verliert buchstäblich seine ganze Existenz – oder wie ich schon viele hierzulande sagen gehört habe: "Mittlerweile ist das ganze Leben darauf." So ist es!
Wenn wir schon darüber sprechen, dann sprechen wir doch auch mal über Generationen. Ich sehe mich zweifelsfrei als "Millennial". Aus den späten 90ern ins 21. Jahrhundert geworfen, als noch Windows XP mein Leben ausmachte. Ja, die guten alten Zeiten – schimpfe ich an dieser Stelle zurecht. Damals mussten wir noch auf Papier, ja Papyrus, zeichnen, malen und – wer glaubt es – Briefe schreiben mit Absender! Das hat sich in Zeiten von WhatsApp, Telegram und Co. erledigt. Briefe schreiben, Zeichnen oder sonstige händische Arbeiten obliegen heute den Behörden und sind zur Seltenheit geworden. Alles, was offiziell ist, wahrt noch den einstigen Charakter einer uns völlig fremden Zeit, zu der solche Dinge noch zur Tagesordnung gehörten!
Allein an diesen kurzen Ausblicken erkennt man tadellos, wie rasant und unvorhergesehen sich die Welt geändert hat. Wieso "unvorhergesehen"? Da selbst ich nicht damit gerechnet hätte, dass ich jetzt schon mit dem ganzen Schnick-Schnack zu kämpfen habe … Gleichaltrige werden mich verstehen! Wir kommen aus der Übergangsphase: die alten 90er wurden von den 2000ern und später von der Tech-Welle abgelöst. Wir sind mittendrin! Ich habe im Laufe meiner 20er Jahre alles gesehen – im Italienischen würde man sagen: "Ho visto dei tutti colori." (Nur mal so am Rande …) Aber ja, wir kommen nicht drum herum und müssen uns wohl oder übel damit abfinden.
Doch wie sieht es denn bei mir aus? Meine persönliche Einstellung zu dem Thema:
Ich komme nun mit ein paar gesonderten Eindrücken und möchte euch meine Perspektive vorstellen. Wie bereits oben erwähnt, habe ich eine klare Meinung zur vorherrschenden "Smartphone-Regentschaft". Ich bin kein sonderlich großer Fan und halte wenig davon, sein Leben vollends auf einem kleinen Bildschirm zu hinterlegen. Man kann und sollte vertrauliche Daten immer "am Mann haben" oder ggf. auch digital mit sich führen – das heißt aber nicht, dass ich ausschließlich alles, und ich meine wirklich alles, auf diesem Ding abspeichern muss. Das grenzt für mich schon an Übertreibung.
Damals, im Jahr 2015, machte ich das schon mit meinen zarten 16 Jahren fest. Alle meine Schulkameraden hatten ein Smartphone – ich nicht! Und jetzt fragt ihr euch: "Wieso denn?" Durftest du keins haben? Nein, ich wollte einfach keins. Natürlich habe ich mir ein Jahr später mein erstes offizielles Handy angeschafft, ein Samsung Galaxy S5 – mein Gott, ist das lange her. Es war mein erstes Handy, ich war fast 18 und nutzte es hauptsächlich für schöne Fotos. Doch schon damals hatte ich eine Anti-Haltung eingenommen. Dieses ständige Hin und Her, der Drang, sich überall und mit allem und jedem zu vernetzen … ich verstehe es bis heute nicht.
Ich gehe durch die Straßen der Trierer Innenstadt und beobachte Menschen. Sie sind nicht mehr in dieser Welt, sondern ganz woanders. Ein alter Herr, ich schätze ihn auf 61, schaut sich TikTok oder Instagram Reels von leichtbekleideten Tänzern an … Was soll ich dazu noch sagen? Jetzt kommen wieder die Kandidaten, die sagen: "Du und deine verdammten Vorurteile." Versteht mich bitte nicht falsch! Es soll und darf jeder seine Interessen ausleben, so viel er oder sie möchte, aber diese Entwicklungen mitzuerleben, zerrt mich einfach innerlich.
Ich sehe nicht den Sinn darin, falschen Schönheitsidealen zu folgen und mich von der Perfektion und Inkarnation von KI und gefilterten Menschen blenden zu lassen. Der Großteil der Gesellschaft schaut nur noch darauf, was soziale Medien machen, aber kümmert sich gar nicht mehr um sich selbst. Statt sich selbst etwas Gutes zu tun, verschwenden 80 Prozent der Menschen ihre Zeit damit, anderen zu folgen, anstatt sich selbst.
Der Mensch hat sich im digitalen Dschungel verloren, und das ist eine langanhaltende Entwicklung, die sich in keinster Weise schönreden lässt. Ich sehe das kritisch, da hier auch psychologische Aspekte greifen. Menschen mögen es, sich miteinander auszutauschen – nicht umsonst spricht man oft von "Soziallebewesen". Doch soziale Medien bewirken das Gegenteil. Menschen verkapseln sich, sind nicht mehr wortgewandt, verlernen natürliche und gängige Verhaltensmuster und reduzieren sich auf schnelle, prägnante und oberflächliche Kommunikation via unterschiedlicher Kanäle. Das Verhältnis zwischen Sender und Empfänger, wie man es aus sprachwissenschaftlichen Schemata kennt, ist komplett gestört.
Hier rührt meine Kritik. Ich selbst habe in den letzten Jahren sehr viel YouTube genutzt und betrieben, weil ich eine Ich-bezogene Haltung eingenommen habe. Ich teile meine Erlebnisse mit der Welt und konzentriere mich auf mein Leben. Es ist zwar Social Media, aber das Gute daran ist, dass man seine Zeit nicht anderen opfert, sondern zumindest sich selbst und seinem eigentlichen Leben. Auch hier gibt es wieder Gefahren: Kreativitätskrisen, Einsamkeit, Feedbackkultur … alles hat seine Pro- und Contra-Seiten.
Es ist ein Umdenken erforderlich! Ich finde, der Mensch sollte eine Abkehr von sozialen Medien in Betracht ziehen und stattdessen wieder persönlich und offen auf andere Mitmenschen zugehen. Wenn wir etwas ändern möchten, dann liegt das zunächst an einem neuen flächendeckenden Bewusstsein. Politik, die hier maßgeblich mitverantwortlich ist, sollte sich dafür einsetzen. Technologien, die der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, sollten auf ein gesundes Maß begrenzt werden.
